Wohin geht's?

Der Junge Philosoph – Wohin geht die Reise

2. Philosophie – Christentum – Jugend

Das Denken lernen ist eine faszinierende Sache. Was heißt bloß “denken”? Kann der Mensch denken? Kann ich denken? Dazu kommt immer noch das Bewusstsein dessen, von dessen Kern mein ganzes Sein ausgemacht wird, nämlich das Christ-Sein. Das Bekenntnis zu dieser einzigen Person Jesu Christi ist das, was das Christ-Sein in einem Menschen ausmacht. Es handelt sich also offensichtlich um den einzigen “Personenkult”, der möglich ist. Die Zugehörigkeit zu Christus ist die unkündbare Anteilnahme an Seinem mystischen Leib, der Kirche, die Er auf Erden gegründet hat. Diese Kirche ist es, die das Zeichen des Heils, aber auch des Widerspruchs, darstellt. Traut sich ein junger Katholik (selbstverständlich sind hier beide Geschlechter gemeint) bedingungslos dazu zu bekennen, dann könnte das Lesen dieser Seiten für ihn etwas nützlich sein, denn dieses Schreiben richtet sich in erster Linie an diese Zielgruppe von jungen Menschen, die sich Gedanken darüber machen, wie sie sich mit drei grundlegenden Tatbeständen ihres Daseins zurechtfinden könnten. Das sind: die Philosophie, deren denkerische Kunst sie sich bemächtigen können; das Christentum (hier sprechen wir vor allem vom Katholizismus), zu dem sie sich bekennen wollen; und schließlich ihre eigene Jugend, die sie jeden Tag mit vollem Genuss auf eine Zukunft hin gestalten sollen.

Darin liegt schon das Kriterium für die Verfolgung dieser Texte, nämlich das Wollen, das Sich-Bekennen-Wollen zu dieser Identität des Christ-Seins, welche zu haben einen anzieht. Denn, von den drei oben genannten modalen Sachlagen des menschlichen Vermögens ist das Sollen zunächst einmal eine Privatsache, sowie das Können von vornherein sich nicht beweisen lässt, sodass nur noch das Wollen übrig bleibt, mit dem man gemeinsam etwas anfangen kann. Dieser Wille sagt aber viel aus, er verbirgt in sich etwas Geheimnisvolles. Denn der Wille zu Christus verbirgt in sich eine lange Geschichte, die der Wollende mit Ihm durchgemacht hat. Was war die erste Begegnung, wie hat dieser Mensch dein Herz stehlen können, sodass es für immer für Ihn verloren geht? Wann war es, dass ein junger Mensch in seinem Herzen wie der Apostel Petrus gesagt hat: “Du bist der Sohn Gottes!” Oder wann hat er wie der Apostel Thomas gesprochen, als der auferstandene Herr um dessen Unglauben willen noch einmal mitten in der Gemeinde der ängstlichen Apostel erschienen war, um ihm persönlich seine Wunden zu zeigen, als er in einem unglaublichen Aufstöhnen des Geistes die Bekenntnisworte aus seinem Mund ließ: “Mein Herr und mein Gott!” ? Oder wann hat er wie der Apostel Paulus in entschiedener Weise auftreten können, um öffentlich Zeugnis abzulegen, dass Christus der Herr ist? Der Wille zu Jesus Christus verbirgt in sich diese drei Stationen der Christus-Begegnung: Die Erkenntnis, dass dieser Mensch, Jesus, der Heiland, der Herr, der Christus (der Gesalbte), der Sohn Gottes und Gott ist; dann die persönliche Begegnung: Jesus Christus ist mein Herr und mein Gott; und die Zeugnisablegung in der entschiedenen Haltung im Leben. Auf vielfältige Weise können diese biblischen Stationen von Offenbarung und Bekenntnis (Petrus – Thomas – Paulus) auf einem persönlichen Lebensweg geschehen, und niemand kann mehr darüber Bescheid wissen als der Betreffende selbst und, natürlich, Gott, der zuerst diese Begegnung gewollt und initiiert hat, der sie niemals wiederrufen würde.

Aus diesen etwas verwirrenden Überlegungen könnten wir uns vielleicht so einigen, dass wir alle drei Faktoren des Themas unseres Blogs einfach der Reihe nach durchgehen: die Philosophie, das Christentum, die Jugend. Wichtig ist aber, dass wir daran festhalten, dass wir keinen der drei Punkte loslassen wollen, denn es wird heftige Auseinandersetzungen zwischen den drei geben. Dort, wo die Philosophie die christliche Botschaft nicht mehr ertragen könnte, wäre die Großzügigkeit der Jugend gefragt, um sie weiter zu tragen. Oder dort, wo der Eifer derselben Jugend selbst in eine Krise gerät und die empfangene Botschaft aus den Augen verliert, könnte die eiserne Disziplin eines durchtrainierten Denkens ihr zu Hilfe kommen. Und auch dort, wo ein jugendliches Herz zerschlagen daliegt und sein Denken versagt, könnte sehr wohl Gott selbst eingreifen, um das Ganze wiederherzustellen und weiterzuführen. Insofern lebt der junge Philosoph ein interessantes Leben, denn er lässt sich auf etwas ein, was ihn übersteigt, nämlich Gott selbst.

Formal gesehen werden wir uns die klassischen Argumente seit der Antike nicht ersparen können, wenn wir uns ernsthaft mit der Philosophie befassen wollen (z.B. die Darlegung der platonischen Lehre, dass es die Seele gibt; dem Verfasser dieser Texte liegt es sehr am Herzen, wenn möglich auch einen gewissen Sinn für das gründliche Studium der Philosophiegeschichte zu vermitteln). Aber gleichzeitig können das Gebet und die Sakramente auch nicht vernachlässigt werden, wenn das Christentum auf seriöse Weise ausgelebt werden will. Was dann die Jugend angeht, bedarf es keiner weiteren Erörterungen. Hoffen wir nur, dass der Herr dieses Unternehmen segnen und begleiten wird.

Titelbild: Pixabay.com/de

 

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