shaho casado & think bigger

Shaho Casado, Kontra K & bitte: Let’s think bigger!

Wahrscheinlich sollte ich ihn kennen. Wenigstens dann, wenn ich 20 Jahre jünger wäre. Soldaten. So lautete das Graffiti-Wort, das auf der gesamten Seite des S-Bahn-Waggons buchstabiert war und an dem die Drohne soeben vorbeiflog. Soldaten: So hieß übrigens auch der Song, der von ihm Sonntag  Nacht auf Youtube hochgeladen wurde und inzwischen mehr als 330.000 Mal angesehen worden ist. Aber gut, am Nachmittag war es halt noch nicht so weit gewesen. Das Video musste noch hochfrisiert werden. Er selbst hatte gefilmt, sich die Story ausgedacht und hat alles geschnitten. Es war fast fertig. Ein Künstler am Werk. Und jetzt musste er noch den Pfarrer aushalten, der neben ihm saß. „Könnten sie bitte Ihren Computer ausschalten und verstauen, sie sitzen in einer Emergency-Exit-Reihe.“ Ich hätte eigentlich noch gerne den eigenen Computer angelassen. Er folgt der Anweisung, wirkt bescheiden. Nicht schlecht für jemanden, der vor zwei Jahren mit einem YouTube-Video mit mehr als 63 Millionen Viewings den Durchbruch geschafft hat. Also fast 34-mal Wiens und 7-mal die Bevölkerung Österreichs haben sein Video gesehen – und doch ist er geerdet geblieben. „Geerdet wie Asphalt“, heißt es aus dem Mund des Rappers von Kontra K, dessen Stimme er soeben mit Geschichte und Drama in Soldaten 2.0 untermalt.

Das Gespräch mit dem Videoproduzenten Shaho Casado am vergangenen Sonntag hat mich fasziniert. Ich war auf dem Weg zum katholischen Medienkongress in Bonn. Welchen Beitrag können Klöster einer digitalisierten Welt bieten? Dazu sollte ich ein paar Gedanken während eines Panel-Gesprächs beisteuern. Mehr als 300 Vertreter der Medienbranche tauschten sich aus, überlegten gemeinsam. Und doch, auf dem Weg zum Kongress tauschte ich mich mit einem jungen Mann aus, der – so vermute ich – kultur- und kontinentübergreifend mehr Menschen erreicht als alle beim Kongress vertretenen Big Player der deutschsprachigen Medienlandschaft zusammen. Shaho ist eine One-Man-Show, gut, jetzt hat er gerade einen 21-jährigen Assistenten angeheuert, den er selbst ausbildet. Und er hat eine viel größere Reichweite als die gesamte katholische Kirche im gesamten deutschen Sprachraum. Ist das nicht krass? 
 
Wir haben die beste Botschaft der Welt. Das beste Lied. Die beste Story. Wie sehr wir Menschen bräuchten, die „schahomäßig“ unterwegs sind. Natürlich kommt oft schnell der Einwand: Ja, es ist ja leicht, Emotionen zu verkaufen, der Glaube ist anspruchsvoll. Ich weiß es nicht. Ich gebe Robert McKee, den Drehbuch-Guro, recht, wenn er in seinem Buch „Story“ behauptet, dass ein guter Film nur dann wirklich zu einem internationalen, kulturübergreifenden Renner wird, wenn er es schafft, eine tiefe Wahrheit, Einsicht über den Menschen zum Ausdruck zu bringen. Und wenn Christus den Menschen sein Menschsein kundtut, dann sollte doch der Christ der Erste sein, der den Menschen etwas Lebensrelevantes zu sagen hat, das Relevante schlechthin. Außerdem glaube ich, dass dies auch eine Ausrede sein kann. Eine Ausrede für mangelnde Professionalität, fehlendes Durchhaltevermögen, kreatives Denken, oder für den fehlenden Willen, das Beste für das Beste zu geben. „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes“. (Lk 16,8). Daran sollten wir etwas ändern.
 
Nicht jeder von uns soll, kann oder muss gleich ein YouTuber des Christlichen werden. Aber wir brauchen schon Menschen, die sich nicht mit Mittelmäßigkeit zufrieden zu geben, in keinem Bereich. Menschen, die sich nicht den Vorwurf vom Offb. 3,15 anhören wollen, „Ich kenne deine Werke. Du bist weder heiß noch kalt.“ Menschen, die „so handeln, als hänge alles von Gott ab und so beten, als hänge alles von Gott ab“ (Ignatius von Loyola) – also Menschen, die sich voll einsetzen für das Reich Gottes. Mit allem was sie haben. Begabungen. Talenten. Ressourcen. Menschen, die schon wissen, das „alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt“ – also, dass die Quelle der Fruchtbarkeit im Herrn liegt. Aber nicht nur 10 % geben und 90 % Gott überlassen, oder auch nicht 80 % geben und 20 % Gott überlassen. Sondern Menschen, die 100 % geben und 100 % auf Gott bauen. Es geht um den vollen Einsatz. Und ich bete schon für ein paar katholische Casados unter uns. Und für Casado selbst. Wow. Wie die Welt anders ausschauen würde.

Gottes Segen!
P. George

 

Das ist meine leicht abgeänderte Einleitung zum unserem 15. tägigen Newsletter. Den kann man hier abonnieren. 

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