[Theologie des Leibes Blog]
Theologie des Leibes – ein Widerspruch?

 

In der Theologie des Leibes geht es nicht nur um den Menschen. Man spricht ja von einer „Theologie“, das heißt „Sprache über Gott“. Aber Gott hat doch keinen Leib, keinen Körper. Die „Theologie des Leibes“ scheint dann ein Wiederspruch in sich zu sein, oder?
Nein – und das aus zwei Gründen.

1. „Als Abbild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie“, heißt es in Genesis. Letzten Sommer stand ich auf Savary Island, einer kleinen Insel etwa 130 Kilometer nördlich von Vancouver, etwa 7 Kilometer von der kanadischen Westküste entfernt. Wir Kanadier nennen die Insel wegen ihres angenehmen Mikroklimas und ihrer weißen Sandstrände „Hawaii of the north“ (das Hawaii des Nordens). Zwischen Savary Island und dem nächsten nördlichen Dorf an der Westküste liegen etwa 600 Kilometer Wildnis, sonst nichts. Für mich war der Anblick dieser unberührten Natur eine Gotteserfahrung. Die Herrlichkeit der Schöpfung sagt etwas über die Herrlichkeit des Schöpfers aus. Die Theologie des Leibes besagt, dass dies zwar stimmt, aber dass der menschliche Leib eine noch viel kräftigere Aussage über den Schöpfer ist, eine noch viel weiter gehende Offenbarung. Aber der Mensch eben nicht nur als statischer Körper, sondern in seinem Erleben als Mann, als Frau, in seiner ganz konkreten Erfahrung seines Alltags.
Darüber mehr in den nächsten Beiträgen.

 

2. Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden. Deswegen ist durch Jesus Christus der Leib durch die Haupttür der Theologie eingetreten. Es gibt einen Menschen unter uns, der Gott ist, der einen menschlichen Körper hat, der ein menschliches Herz besitzt, der denkt, spürt, fühlt, ein Mensch der Emotionen und auch der Leidenschaft ist. Aber die Person, die das alles erlebt und lebt, ist Gott selbst. Deswegen ist alles, was Jesus Christus tut, sagt, sieht und hört, eine Offenbarung Gottes, eine Aussage. Am stärksten sehen wir das am Kreuz: Dort begreift man ein wenig, wer Gott ist. Die gekreuzigte, sich selbst verausgabende Liebe ist eine Vergegenwärtigung desjenigen, von dem wir im 1. Johannesbrief 4,16 hören: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.

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