[Theologie des Leibes Blog]
Der Baum

„Cariiiiiisimo!“ ruft er dem jungen Mann entgegen. „Bist du wahnsinnig“? Er steht vor ihm, mit beiden Händen hält er eine  lange Metallstange. Oben hatte er einen Farbenroller befestigt, um damit den Turm zu streichen.

Ach ja, der Turm… So hieß das Gartenhaus in unserem Klostergarten in Salamanca, Spanien. Wir wohnten in ehemaligen Hühnerställen. Kein Wunder, dass jedes andere Gebäude dann einem Turm glich. Das Problem mit dem Turm bestand aber darin, dass aus einer Seite mehrere Stromleitungen herausführten, die das ganze Kloster mit Strom versorgten. Am nächsten Tag waren Farbspuren in nur wenigen Zentimetern Abstand von der Leitung zu sehen. Gott sei Dank war nichts passiert.

Bäume – im Garten der Genesis gibt es viele, aber es gab auch einen ganz besonderen. Von dem sollten Adam und Eva nicht essen. Eine Einschränkung der Freiheit! Sie sollen doch machen dürfen, was sie wollen! Wer einmal einem naiven jungen Mann beim Wandmalen unter einer Hochspannungsleitung zugesehen hat, weiß: Ja, frei sind wir, aber auch so frei, um unsere Freiheit zu zerstören. Nicht alles, was wir mit unserem Körper in der Freiheit tun, ist der Freiheit des Körpers förderlich. Genau das ist mit dem Bild des Baumes gemeint.

Und da lohnt es sich doch zu überlegen, ob mich das, was ich tue, wirklich befreit – oder versklavt. Irgendwie merkwürdig, das leuchtet in jedem anderen Bereich ein, ob Ernährung, Gesundheit, Autofahren oder Arbeit. Und doch wird das Thema Verantwortung aus dem Bereich der Sexualität oft ausgeklammert. Bitte, nicht falsch verstehen: Die Sexualität ist etwas Wunderschönes, von Gott gewollt. Gerade deswegen wiegt die Frage nach dem Wie des Auslebens so schwer.

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