[Berufung Blog]
Berufung und das Ghetto-Christsein

„Die Kirche braucht dringend die Lunge des Gebets, und ich freue mich sehr, dass in allen kirchlichen Einrichtungen die Gebetsgruppen, die Gruppen des Fürbittgebets und der betenden Schriftlesung sowie die ewige Anbetung mehr werden. Zugleich gilt es, die Versuchung einer intimistischen und individualistischen Spiritualität zurückzuweisen, die sich nicht nur mit den Forderungen der Liebe, sondern auch mit der Logik der Inkarnation schwer in Einklang bringe ließe. Es besteht die Gefahr, dass einige Zeiten des Gebets zur Ausrede werden, sein Leben nicht der Mission zu widmen. Die Privatisierung des Lebensstils kann die Christen dazu führen, zu einer falschen Spiritualität Zuflucht zu nehmen.“ (Papst Franziskus, Evangelii Gaudium 262) Und, im selben Dokument, erinnert er mehrmals daran, dass die ersten Christen ganz entschieden gegen den egoistischen und „individualistischen Lebensstil der Heiden“ gehalten haben.

Ghetto-Christsein. Den „Schrei der Armen“ und die Bedürfnisse der Mitmenschen nicht mehr wahrnehmen. Kapseldasein. Ich, für mich. So lässt es sich leicht leben. Aber gerade so wird das Evangelium verstümmelt.

Hier liegt eine der großen Gefahren, wenn es um die Frage der Berufung geht. Wenn nämlich die Frage nach dem „Soll ich mein Leben Gott weihen oder soll ich heiraten?“ nur noch in Bezug auf sich selbst gestellt wird, in Bezug auf das, was mir gefällt, was ich will, was mir dient, was mir den Frieden schenkt, was meinen Bedürfnissen entspricht, was meine Talente und Begabungen sind, wo ich mich am besten verwirklicht sehe, dann stehen wir vor dem Aus, was die wahre Berufung angeht. Denn Berufung muss immer im Kontext zum Anderen gestellt werden. Erstens zum großen Anderen, der Gott selbst ist. Was willst du denn von mir? Aber dann auch sehr schnell in Bezug auf die Anderen, die Mitmenschen, den Schrei der Bedürftigen, Verlassenen, Heimatlosen, Gottlosen, Genussübersättigten, den Schrei der Welt nach Essen, nach Leben, nach Glück, nach Freude, nach Erbarmen, nach Solidarität, nach Menschen, die ihnen das gütige Angesicht des Herrn durch ihr Leben und ihre Hingabe zeigen.

Vom „heidnischen Individualismus“, oh Herr, befreie uns! 

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