[Theologie des Leibes Blog]
Freiheit finden

Was ist Freiheit – und vor allem: Was ist deren Nutzen, was bringt sie mir eigentlich?
Sich alle Möglichkeiten offenzuhalten? Sich lieber nicht zu stark auf eine Richtung festzulegen, um möglichst viele Chancen und Wege offen zu lassen? Genau das bringt die Freiheit! Naja, wenigstens sagte man mir das immer. Aber ist dem wirklich so?

Ich empfinde es nicht so, sondern eher das Gegenteil. Eine Entscheidung zu treffen, mir selbst eine Bestimmung aufzuerlegen, in eine Richtung zu gehen: Das sind ja gerade die Momente, in denen ich mich besonders frei fühle. Und wenn ich mich nicht entscheide, merke ich, wie ich in meiner Unentschiedenheit gefangen bin. Warum? Weil die Freiheit ja wirklich erst in der Entscheidung ausgeübt wird, alles andere ist nur die Vorbereitung. Was nutzt die Freiheit, wenn man vor dem Dilemma steht, Whopper oder BigMac? BigMac oder Whopper? Whopper oder BigMac? Aber sich nicht entscheidet?

Wenn man sich heute Abend weder für McDonalds noch für Burger King, nicht für den Stadtwirt oder die eigene Küche entscheidet, wird man hungrig ins Bett gehen. Freiheit ist völlig nutzlos, wenn man sich nicht entscheidet, die „Scheidung“ aufzuheben und sich auf einen Weg und eine Richtung zu begeben.
Die Freiheit ist für eine Entscheidung da, das ist deren Sinn.

Vor kurzem war ich bei einer Familie, die viel leidet. An der Tür zum Zimmer der 17-jährigen Tochter hängt ein Poster von Martin Luther King Jr., darunter steht sein  berühmtes „I have a dream!“ Eine Inspiration in einer fast aussichtslosen Situation.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, zuweilen sind es oft einfache Sätze, die mich enorm inspirieren. Zum Beispiel jene von Johannes Paul II.: „Der Mensch kann nicht ohne Liebe leben. Er bleibt für sich selbst ein unbegreifliches Wesen; sein Leben ist ohne Sinn, wenn ihm nicht die Liebe geoffenbart wird, wenn er nicht der Liebe begegnet, wenn er sie nicht erfährt und sich zu eigen macht, wenn er nicht lebendigen Anteil an ihr erhält.“  (Redemptor hominis, 10).
Aber was ist die Liebe, wenn nicht eine freie Entscheidung, einen anderem etwas von sich selbst oder sich selbst zu schenken? Liebe wird zum Ort, in dem die Freiheit ihre Erfüllung findet. Deswegen, so Johannes Paul II., sehne sich der Mensch mehr nach Liebe als nach Freiheit.
Frei wird man dann, wenn man Freiheit ausübt, wenn man sich bindet. Lieben kann der, der sich festlegt. Frei bleibt der, der liebt.

——————


Übrigens: Von 25. April bis 15. Juni 2014 wird die Wiener Votivkirche zum Ausstellungs- und Dialogort. Die Ausstellung „Leiblichkeit und Sexualität“ ist ein einzigartiges Konzept, das die Auseinandersetzung der Thesen von Papst Johannes Paul II zum Thema „Leiblichkeit und Sexualität“ und zeitgenössischer Kunst thematisiert und aufgreift. Der Verein KUNSTGLAUBE, Initiator der Ausstellung, will damit einen Diskurs zwischen Moderne und Kirche schaffen und einen offenen und für beide Seiten nützlichen Dialog zwischen der zeitgenössischen Kunst und der „Theologie des Leibes“ fördern. Die Installationen, die für die Ausstellung ausgesucht wurden, repräsentieren einige der bedeutsamsten Positionsverschiebungen des Körpers in der Kunst seit 1990. 
Mehr Info unter www.kunstglaube.at und https://www.facebook.com/kunstglaube

More from P. George Elsbett

Der Himmel (1)- real oder bloß Träumerei?

Am 29.10.2016 begann im Zentrum Johannes Paul II. in Wien eine Predigtserie...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.