Während tausende von Menschen leiden, geht es mir gut. Doch kann ich noch fröhlich sein, wenn ich um all das Leid weiß? Wie kann ich damit umgehen?

Ich im Angesicht des Leids in der Welt

An vielen Orten der Welt kämpfen Menschen mit den heftigsten Schicksalen. Erst vor Kurzem hat ein zweites Erdbeben in Nepal erneut Menschen in den Tod gerissen und das Leben wieder mehr Menschen völlig zerstört. Und auch noch immer halten die Kämpfe in Syrien, Irak und den benachbarten Ländern an. Die Geschichten der Menschen dort sind so furchtbar und unfassbar, dass sie einen sprachlos machen. Und da steh ich- in Wien. Mir geht es gut. Doch wie kann ich noch fröhlich sein, wenn ich um das Leid all dieser Menschen weiß? Es ist eine Frage, die mich immer mehr beschäftigt. Wie kann ich damit umgehen- hier, in meinem Leben?

Ein zweites Erdbeben ließ Nepal erneut schüttern. Wieder starben Menschen. Auf dem Weg zur Arbeit überfliege ich die Nachrichten in der Zeitung. Dort sehe ich weinende Kinder und Berichte von Menschen, die alles verloren haben. Wirklich alles. Nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihre Familie. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlen muss. Von jetzt auf gleich ist alles anders. Nichts ist wie bisher. Wo früher Freude war, ist nun tiefe Leere und Verzweiflung. Das Erdbeben hat das Leben vieler Menschen einfach zertrümmert. Doch nicht nur ihr Leben liegt in Schutt und Asche, auch das Leben vieler anderer. Erst letztens las ich wieder ein Zeugnis von Jesidinnen, die für mehrere Woche in der Gewalt des IS waren und fliehen konnten. Ihre Berichte sind so schrecklich, dass ich es selbst schon mit der Angst zu tun bekomme. Während ich die Zeilen lese, gerate ich immer mehr unter Schock. So unfassbar ist das, was sie erleben mussten. Wie können Menschen so sein? Wie können sie nur fähig sein, so grausam zu handeln? Ich kann es nicht fassen.

Vor ihren Augen töteten IS-Anhänger ihre Familienangehörigen, sie selbst wurden verschleppt, gedemütigt, geschlagen und zich mal vergewaltigt. Während sie von ihren Erlebnissen berichten, ist die Mehrheit ihrer Familie noch immer in der Gewalt des IS. Sie wissen nicht, was mit ihnen ist. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, ob diese Frauen irgendwann einmal wieder in das Leben zurückfinden werden, ob sie das, was sie da erlebt haben, überhaupt jemals verarbeiten können. Selbst wenn sie selbst nun in Sicherheit sind, sie sind traumatisiert und auch die Ungewissheit um ihre Liebsten wird sie nie in Ruhe lassen. Es ist ein so großes Leid, dass sich nicht einmal ansatzweise nachempfinden lässt. Es macht mich sprachlos.

Wenn ich all das lese, frage ich mich, wie ich mein Leben einfach so weiterleben kann?! Kann ich noch fröhlich sein, wenn ich weiß, dass es anderen Menschen zur gleichen Zeit so schlecht geht? Ich fühle mich fast schuldig, weil es mir so gut geht, weil mein Leben so behütet ist. Ich würde ihnen gerne etwas von meiner Freude abgeben, ihnen irgendwie helfen. Doch das, was sie verloren haben, kann ich ihnen nicht mehr zurückgeben. Ich kann ihnen nicht helfen. Was sollte ich tun? Ich kann spenden und beten. Aber das ist alles. Und viel Geld besitze ich nicht. Davon ließe sich nicht einmal ein einziges Haus in Nepal wieder aufbauen. Doch ich weiß, dass ich dennoch etwas tun möchte. Ich kann nicht einfach meine Augen vor dem verschließen, was anderswo in der Welt passiert. Ich kann nicht einfach so weiterleben, so, als wäre die Welt in Ordnung. Denn sie ist nicht in Ordnung. Und ich weiß das.

Wenn ich über die Welt und all das, was in ihr passiert, nachdenke, dann beginne ich mich immer mehr nach dem Ort zu sehnen, in dem alles endlich in Ordnung ist. Einem Ort, in dem alle Menschen glücklich sein können, in dem alle Menschen in Liebe vereint sind und niemand mehr leiden muss. Einem Ort, in dem endlich Frieden herrscht. Ja, danach sehne ich mich. Gerade jetzt umso mehr. Und ich weiß, dass wir diesen Ort einmal erreichen werden. Nach unserem Tod, wenn wir im Himmel sind. Dieses Wissen spendet mir Trost und schenkt mir Hoffnung, da ich weiß, dass das Leid der Menschen, egal wo auf der Welt, irgendwann einmal ein Ende finden wird, dass irgendwann alles wieder gut sein wird.

Doch solange wir hier auf der Erde leben, ist es unsere Aufgabe den Himmel, und damit das Reich Gottes, immer mehr bereits auch auf dieser Welt zu verwirklichen. Dazu sind wir gerufen. Ja, es stimmt, gegenüber vielem Leid in der Welt bin ich machtlos. Ich kann den Jesidinnen nicht helfen, auch bin ich den Menschen in Nepal keine große Hilfe. Das jedoch, was ich tun kann, ist den Menschen in meinem eigenen Umfeld zu helfen, immer mehr eine Zeugin der Liebe zu werden, der Welt zu zeigen, dass es auch anders geht, dass die Liebe stärker ist und dass sie es ist, die allein in der Welt herrschen sollte. Und ich denke, dass die Welt schon ganz anders aussehen würde, wenn jeder in seinem Umfeld die Liebe immer mehr leben würde, denn die Liebe ist wie ein Feuer, das sich immer weiter ausbreitet, immer weitere Kreise zieht und irgendwann sogar vielleicht jene Menschen in der Welt erreicht, die am meisten leiden.

Gerade das letzte Sonntagsevangelium sprach genau von dem- der Liebe. Jesus ruft uns auf, uns gegenseitig zu lieben. Er sagt: Dies ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. (…) ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander! (Joh 15,9-17) Ich denke, dass dieser Appell der Schlüssel ist zu der Frage, wie ich mein Leben angesichts des Leids weiterleben soll. Es bringt den Menschen in Nepal und auch in Syrien oder sonst wo nichts, wenn auch ich den Kopf in den Sand stecke und nur noch betrübt bin. Ja, auf meine Weise leide ich mit ihnen mit. Ich habe sie nicht vergessen. Ihr Leid schmerzt mich. Und trotzdem muss ich mein Leben weiterleben. Gerade das Leid in der Welt zeigt mir, wie wichtig es ist, für die Liebe Zeugnis abzulegen, unseren Nächsten zu lieben. Und wer ist dieser Nächste? Vielleicht ist es unsere Freundin, ein Bekannter, ein Obdachloser in der Straßenbahn, eine zufällige Bekanntschaft im Supermarkt oder unser Nachbar. Unseren Nächsten treffen wir ständig. Fast in jeder Minute unseres Lebens. Ich lade Dich ein, dass Du dir den Ruf Jesu zu Herzen nimmst, aufstehst und in die Welt hinausgehst und das Feuer der Liebe immer weiter entzündest! Wir sind Christen und deswegen lieben wir. Dazu sind wir berufen. Das ist die Nachfolge Jesu.

Outreach im Zentrum Johannes Paul II.

Geh einmal in dich, höre auf das, was Gott in dein Herz spricht. Wo möchte er dich haben? Wo sollst auch du das Reich Gottes hier auf Erden verwirklichen? Wonach sehnst du dich? Wofür brennt dein Herz? Vielleicht hast auch du eine Idee, wie wir unser Christ Sein verwirklichen können, eine Idee, wie wir anderen Menschen helfen können. Hilf auch Du mit, das Feuer der Liebe immer weiter zu verbreiten.  

Auch hier im Zentrum Johannes Paul II. gibt es die Möglichkeit bei verschiedensten Projekten mitzuwirken oder selbst eins auf die Beine zu stellen. Der Kreativität ist keine Grenze gesetzt. Unter dem Button „Outreach“ findest du Projekte, die es bereits gibt. Vielleicht spricht dich eins an? Auch über neue Ideen freuen wir uns und sind jederzeit offen dafür!

Foto: pixabay

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