Kleingruppen - was die sind, wie die gehen

Kleingruppen – wie die gehen, was die bei uns tun

Kleingruppen sind im Herzen unserer Kirche. Sie sind die Quelle Gesundheit und des Wachstums. Kleingruppen sind der Kern unserer Jüngerschaft, die Struktur unserer Dienste, die Startrampe für Evangelisierung, die Bereicherung unseres gemeinsamen Gebets und das Netzwerk unserer Gemeinschaft. Rick Warren.

In letzter Zeit häufen sich die Fragen bzgl. der Kleingruppen Ministry  hier im Zentrum Johannes Paul II. Was geht da ab? Was ist eine Kleingruppe? Was tut ihr da? Welche Rolle spielen sie bei euch? Was ist deren Sinn und Zweck? Dieser Beitrag will auf diese Fragen eingehen. Bei weiteren Fragen stehen sowohl ich auch als auch unserer Kleingruppen Ministry Team gerne zur Verfügung.

WAS sind Kleingruppen?

+ Eine KLEINGRUPPE ist eine Gruppe von Menschen, die sich regelmäßig treffen, um in der Jüngerschaft zu wachsen. Kleingruppen sind unsere Jüngerschaftsschulen.

+ Wozu eine Kleingruppe? In einer Kleingruppe sollen Menschen einen Ort finden, wo sie in der Nachfolge Christi vorankommen und die 5 Dimensionen des Christseins im Gleichgewicht halten: 1. Gebet/Worship 2. Gemeinschaft/Fellowship 3. Glaubensleben/Discipleship 4. Dienst/Ministry (Gläubiger zu Gläubiger) 5. Evangelisation (Gläubiger zu Nicht-Gläubiger)

+ Wie groß? Mindestens drei Personen. Es gibt aber keine Obergrenze. Wir wollen begabten „Menschen-Sammlern“ nicht die Flügel stutzen. Es kann z.B. sein, dass 40-50 Personen zu einem Kleingruppentreffen in einem Wohnzimmer zusammenkommen, gemeinsam beten und sich dann für den Austausch in kleinere Untergruppen aufteilen. 

 

WARUM sind Kleingruppen wichtig?

  1. Weil sie ein besonders geeigneter Ort sind, wo Gemeinschaft erfahrbar wird und gelebt werden kann. In der „Masse“ einer ganzen Gemeinde ist das in der gleichen Tiefe fast unmöglich. Deswegen muss eine Kleingruppe (oder eine Untergruppe) auch klein sein, also im Idealfall zwischen ca. 6 und 10 Mitgliedern. 
  2. Ohne Kleingruppe ist es relativ leicht, diesen wesentlichen Aspekt der „communio“ (Gemeinschaft) eines Christusnachfolgers nur oberflächlich zu leben, nicht wirklich aus dem eigenen Selbstbezug herauszutreten, sich verwundbar zu machen, sich auf andere einzulassen, Gemeinschaft radikal zu leben. 
  3. Sie ermöglichen eine tiefere und direktere pastorale Begleitung einzelner Mitglieder einer Gemeinde (durch die anderen Mitglieder der Kleingruppe).
  4. Sie sind ein hervorragendes Mittel für Life Change.
  5. Sie sind Jüngerschaftsschulen und können zu Quellen von apostolischer Dynamik, Ministry und Outreach werden.  

 

Die Rolle von Kleingruppen im Zentrum Johannes Paul II.

  1. Eingebettet in das Gesamtkonzept des Zentrums haben Kleingruppen eine wesentliche Rolle in dem Kreis, den ich hier (https://www.zentrum-johannes-paul-ii.at/2016/04/02/zentrum-johannes-paul-ii/ )  beschrieben habe:  Unsere Stadt und unser Land wollen wir durch OUTREACH erreichen –> GOTTESDIENST attraktiv gestalten für Eingeladene und Menschen, die auf anderen Wegen zu uns finden — > Eine Gemeinde durch GEMEINSCHAFT formen –> Den Engagierten helfen, sich durch JÜNGERSCHAFT zu entfalten –> den inneren Kern zur MINISTRY (DIENST) befähigen –> die Beauftragten im Outreach entsenden. 
  2. Für mich ist wegen des soeben Erwähnten wichtig, die Angliederung an unsere Gemeinde hier im Zentrum JP2 zu betonen. Pfr. White in Rebuilt drückt das so aus, „Kleingruppen sind im Leben unserer Pfarre integriert. Das ist extrem wichtig: es ist nicht beabsichtigt, dass Kleingruppen ’stand-alone communities‘ sind, Speicher für unabhängige Bemühungen, parakirchliche Versammlungen für Sonderinteressen… diese sind Gefahren und müssen sorgfältig vermieden werden oder sie werden die Gemeinschaft der Pfarre beschädigen. Gruppen entstehen aus der Kommunion mit der Pfarre und der universalen Kirche, und müssen in Gemeinschaft mit deren Pastoren bleiben, wie der Hl. Johannes Paul II. gelehrt hat.“ Das hat auch mit unserer Kirchlichkeit zu tun. Wir sind keine Freikirche, auch wenn diese die Integration mit der Gemeinde betonen. Dabei ist auch die Verbindung zur Eucharistiefeier wichtig. Die Kirche ist Ort der „Communio“ – dieses Einswerden untereinander und mit Gott, „sodass wir alle eins werden in Christus“ (3. eucharistisches Hochgebet). Die Frage ist, wo wird diese Art von Gemeinschaft konkret erfahrbar? Vor allem in der Eucharistiefeier: die Gemeinschaft der Kirche „lebt von der Eucharistie“ (Ecclesia de Eucharistia, Johannes Paul II.) und die Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens.“ (II. Vatikanum). Alleine das Wort „Kommunion“ als Begriffswort für die Eucharistie bringt das zum Ausdruck.  „Die Eucharistieschafft Gemeinschaft und erzieht zur Gemeinschaft .“ (EE, JPII.) Und zugleich: „Die Feier der Eucharistie kann aber nicht der Ausgangspunkt der Gemeinschaft sein, sie setzt die Gemeinschaft vielmehr voraus und möchte sie stärken und zur Vollendung führen.“ (idem).
  3. Für mich ist es deswegen auch wichtig, dass die Kleingruppen sich in das Größere der Gemeinde in der Eucharistiefeier zusammenfinden und dadurch genährt und aufgebaut werden. Die Kleingruppen sind ein Zeichen dafür, dass wir eine gesunde Gemeinde sind und zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie aktiv am Leben der Gemeinde teilnehmen und mitgestalten, sich in Ministry und Outreach engagieren. 
  4. Eine Gruppe bzw. eine Untergruppe wird von einem Gastgeber geleitet, der vom Zentrum Johannes Paul II. in Absprache mit den Beteiligten ernannt wird und geschult wird. Pro Gastgeber sollten nicht mehr als 12 Personen in der Gruppe bzw. Untergruppe sein.

 

Begrifflichkeit, Arten von Kleingruppen

  • Kleingruppe & Kleingruppen-Ministry. Das erste ist eine Gruppe von Menschen, die sich treffen, um gemeinsam im Glauben zu wachsen, sich auszutauschen usw. Das zweite ist ein bestimmter Dienst, der hier im Zentrum stattfindet und dazu da ist, neue Kleingruppen zu unterstützen bzw. zu helfen, dass sie entstehen können. Beim ersten geht es nur um die Gruppe selbst, beim zweiten geht es nicht um eine einzelne Gruppe, sondern um einen Dienst von mir als Gemeindeleiter sowie denjenigen, die ich damit beauftragen werde, an den Kleingruppen. 
  • Zu unterscheiden ist auch: eine Kleingruppe, die im Dunstkreis des Zentrums aufgrund eines gemeinsamen Interesse entsteht  & eine Kleingruppe, die im Rahmen der Kleingruppen Ministry stattfindet. Ersteres kann sogar ein Outreach Programm sein für Menschen, die nichts mit dem Zentrum zu tun haben. So eine Kleingruppe kann einfach so entstehen, ist aber nicht Objekt der Kleingruppen Ministry, der ein interner Dienst an die Gemeinde ist. Die Kleingruppen Ministry folgt gewissen Vorgaben: 1. Der Gastgeber der Kleingruppe wird vom Leiter des Zentrums (natürlich in Absprache mit der Gruppe selbst) ernannt. 2. Der Leiter einer Kleingruppe erhält für eine gewisse Zeit (ca. 6 Wochen bis maximal 6 Monate) ein Coaching vom Leiter des Zentrums bzw. von einem von diesem ernannten Mitglied der Kleingruppen-Ministry. 3. Der Leiter einer Kleingruppe nimmt einmal im Jahr an einer Kleingruppen-Fortbildung teil (ein Abend) 4. Der Inhalt der Themen der Kleingruppe wird mit der Leitung des Zentrums abgesprochen (auch wenn ich hier Freiheit geben möchte, will ich zugleich Materialien zur Verfügung stellen und stark dazu motivieren, Themen zu wählen, die mit der jeweils aktuellen Predigtserie zu tun haben, wenigstens während der jährlichen „Campaign“. Das machen Rebuilt, Saddleback und anscheinend überhaupt jene Kirchen, die mehr als 30% der Mitglieder in Kleingruppen haben). 4. Verbindlichkeit zur Kleingruppe und zu den 9 Grundprinzipien…siehe unten (basierend auf das Saddleback Modell): 

 

Kleingruppen Grundprinzipien und Ablaufvorschlag: 

  • Authentizität : Ehrlich darüber sprechen, wie es einem selbst geht und was einen bewegt
  • Gegenseitigkeit : Sich gegenseitig unterstützen – auch über die Treffen der Gruppe hinaus – eine Dienstgemeinschaft aneinander werden
  • Mitgefühl : Dem anderen zuhören und nicht be- oder verurteilen – zu einer echten „Leidensgemeinschaft“ werden
  • Barmherzigkeit : Dem anderen vergeben, auch wenn wir verletzt wurden
  • Ehrlichkeit : Dem anderen ehrlich die Meinung sagen und ggf. brüderlich „zurechtweisen“ – aber nicht unverschämt sein
  • Demut : In der Demut üben, eigene Schwächen zugeben, die Schwächen der anderen annehmen, für Korrekturen offen sein, andere ins Rampenlicht stellen
  • Freundlichkeit : Den anderen annehmen, wie er ist – auch wenn es vielleicht schwierig ist
  • Vertraulichkeit : Was in der Gemeinschaft besprochen wird, sollte auch dort bleiben
  • Regelmäßigkeit : Regelmäßige Treffen sind wichtig – mindestens einmal pro Monat oder öfter

 

Ein Treffen in einer Kleingruppe könnte wie folgt ablaufen:

  • Kurzes Gebet zum Hl. Geist
  • Seelenaustausch (positiv/ negativ)
  • Freies, gemeinsames Gebet
  • Impuls (zu einem bestimmten Thema) mit anschließender Diskussion
  • Organisatorisches (Apostolat/Strategie) – Dienstgemeinschaft leben
  • Agape (nicht zu aufwändig)

 

Kleingruppen können immer am selben Ort stattfinden, aber auch abwechselnd bei den einzelnen Kleingruppenmitgliedern zuhause.

 

Was seitens der Leitung nicht geschehen soll. 

  1. Ich will nicht im Nachhinein Coaches für schon erfahrene Kleingruppenleiter einteilen. Ein erfahrener Kleingruppenministry-Leiter sagte dazu: „This may be the most common way small group ministries get blown up…your intentions may be good. You may simply want to provide adequate care to every leader but will rarely be interpreted that way. It almost always feels like the result of a lack of trust or a desire to control.“
  2. Ich möchte nicht unnötig bzw. aufdringlich Berichterstattung von Gruppenleitern einfordern.
  3. Etwas von einer Kleingruppe einfordern, das bei deren Entstehen nicht im Raum stand. Ich glaube, es ist normal, dass wir mit der Zeit Neues über die Kleingruppen lernen werden, wie wir das Ganze besser gestalten können usw. Aber Änderungen müssen auch von den jeweiligen Gruppen selbst miteingesehen und mitgetragen werden, wenn sie das selbst wollen, sie werden nicht aufgezwungen.

 

 + Einige Zitate von Christifidelis Laici von Johannes Paul II. 

 

Der Laie »kann sich nicht in sich selbst verschließen und geistig von der Gemeinschaft trennen, er muss in einem dauernden Austausch mit den anderen leben, aus einem lebendigen Sinn für Brüderlichkeit, in der Freude der gleichen Würde und im Bemühen, gemeinsam den großen Schatz, der als Erbe empfangen wurde, fruchtbar werden zu lassen. Der Geist des Herrn schenkt ihm wie auch den anderen vielfältige Charismen, er lädt ihn zu verschiedenen Diensten und Aufgaben ein und erinnert ihn daran, so wie er im Hinblick auf ihn andere daran erinnert, dass das, was ihn unterscheidet, nicht ein mehr an Würde, sondern eine besondere und komplementäre Befähigung zum Dienst ist … So bestehen die Charismen, die Dienste, die Aufgaben des Laien in der communio und für die communio. Sie sind komplementäre Reichtümer für den Dienst an allen unter der weisen Führung der Hirten«. Christifideles Laici 20.

 

Damit alle diese Pfarreien lebendige, christliche Gemeinden werden, müssen die jeweiligen örtlichen Autoritäten dafür Sorge tragen, dass: …die kleinen Basisgemeinschaften, auch lebendige Gemeinden genannt, in denen die Gläubigen einander das Wort Gottes verkündigen und im Dienst und in der Liebe tätig werden können, wachsen. Diese Gemeinden sind in Gemeinschaft mit ihren Hirten wahre Konkretisierungen der kirchlichen communio und Zentren der Evangelisierung. Christifideles Laici 27

 

Der Zusammenschluss von Laien aus spirituellen und apostolischen Motiven hat verschiedene Ursachen und will auf vielfältige Bedürfnisse antworten. Er bringt die soziale Natur des Menschen zum Ausdruck und antwortet auf die Notwendigkeit einer größeren und umfassenden gezielten Wirksamkeit. Ein »kultureller« Einfluss, der Ursprung und Motivation, aber auch Frucht und Zeichen anderer sozialen Veränderungen ist, kann nämlich nicht durch das Tun eines einzelnen, sondern muss durch »ein soziales Subjekt«, das heißt durch eine Gruppe, eine Gemeinschaft, eine Vereinigung, eine Bewegung geschehen. Dies trifft auf besondere Weise im Kontext einer pluralistischen und zersetzten Gesellschaft – wie sie sich heute in so vielen Teilen der Welt darstellt – und angesichts überaus komplexer und schwerer gewordener Probleme zu. Auf der anderen Seite können vor allem in einer säkularisierten Welt die verschiedenen Formen der Zusammenschlüsse für viele eine wertvolle Hilfe darstellen, um ein christliches und mit den Forderungen des Evangeliums kohärentes Leben zu führen und ein missionarisches und apostolisches Engagement einzugehen. (meine Betonung)  Christifideles Laici 29

 

Noch ein Satz zum Schluss, der vielleicht nicht zu 100% zutrifft aber auch nicht ganz unwahr ist:

„Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe von umsichtigen, engagierten Menschen die Welt verändern kann. Tatsächlich ist es das einzige, was die Welt je verändert hat.“ Margaret Mead

Titelbild: pixabay

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