Keuschheit & Co. – ein Zeugnis

Ein Zeugnis von P. George Elsbett. 8.9.2001, 14:30. Also an diesem Tag und zu dieser Stunde vor genau 15 Jahren durfte ich meine ewige Profess ablegen. Die zeitliche Profess ist vergleichbar mit der Verlobung, die ewige mit der Hochzeit. In unserem Fall, als Legionäre Christi, kommt zu den drei traditionellen Gelübden -Keuschheit, Armut und Gehorsam- noch ein viertes Gelübde „die Demut“ dazu, und zwar, dass wir geloben keine Leitungsposition innerhalb der Gemeinschaft anzustreben. Für mich ist der heutige Tag mit vielen Emotionen verbunden und vor allem mit einer tiefen Dankbarkeit dem Herrn gegenüber. Wer bin ich denn, dass er mich gerufen hat, ihm ganz zu gehören, ihm mich selbst auf diese radikale Art und Weise schenken zu dürfen?! Ich kann mir keinen größeren Akt der Freiheit vorstellen als Alles was mir lieb und teuer war für ihn aufzugeben: Absolute Keuschheit, Enteignung von jeglichen Besitz, uneingeschränkte Verfügbarkeit dem Herrn und seinem Willen gegenüber, und eben nicht dem eigenem. Man legt diese Gelübde nicht ab, weil sie so einfach zu leben sind, sondern weil sie so schwer sind. Das ist ja die Idee. Herr, ich liebe dich so, dass ich auch noch das geben will. Nicht Oberflächliches und Nebensächliches sollst du von mir bekommen, sondern gerade das, was mir zutiefst zu eigen ist. Ich selbst will mich dir geben. Unverständlich für Viele, gerade wenn man nicht selbst den Ruf in sich verspürt hat. Ja, und absolut unverantwortlich so sich selbst einem anderen in die Arme zu werfen, es sei denn, es handelt sich dabei um Gott. Und doch, hier das Paradoxon, unfassbare Freiheit und Freude liegen gerade in diesem Schritt. Wenigstens habe ich es so erfahren dürfen. Doch für nicht wenige bleibt die größte Provokation das Gelübde der Keuschheit. Denn entweder ist er oder sie nicht ganz normal oder er lebt es eigentlich gar nicht – es weiß ja jeder, dass die meisten Pfarrer noch irgendwo eine Freundin haben-oder….,oder was? Was gibt`s da noch für andere Optionen? Oder vielleicht gibt es diesen Gott wirklich, der ein ganzes Leben ausfüllen kann, der fähig ist, Leben in Fülle zu schenken…und wenn das wirklich so ist, ja dann vielleicht ist da wirklich was dran mit dem Himmel, vielleicht stimmt es ja doch, vielleicht ist Glaube an einen Erlöser Gott, der Jesus Christus heißt und uns in die Arme des Vaters hineinführen will, der die tiefsten Sehnsüchte zu erfüllen vermag, doch keine Illusion… Deswegen hat für mich das Ordensleben in dieser Welt eine ungemein wichtige, ja prophetische Rolle.

 

Natürlich stimmt es, dass diese Rolle nur in Freiheit ausgeübt werden kann. Und gerade da besteht immer neu die Herausforderung dem versprochenen Wort gegenüber treu zu sein. Gerade dafür bitte ich auch um Euer Gebet für mich, dass ich immer mehr Prophet sein kann und nicht Grund zum Skandal oder Widerspruch. Natürlich stimmt es, dass der Mensch „mehr als seine äußeren Güter (Armut), die freie Verfügung über seine leibliche Zeugungsfunktion (Zölibat) und über seine geistigen Entscheidungen (Gehorsam) nun einmal nicht (mehr) hergeben“ kann (H.U.v. Balthasar) aber das sagt noch gar nichts über die eigene innere Gesinnung und die sollte vor allem eine Sache wollen: die radikalste und restlose Verfügbarkeit zum Herrn,“Nirgends ein Wenn und Aber. Nirgends eine gesteckte Grenze wie ‘das und nicht jenes, bis hierher kann ich, aber weiter nicht‘. Er nährt sich mit allen offenen Poren von der auf ihn einströmenden Weisung: ‚Meine Speise ist es, den Willen des Vaters zu tun.'“ (ibid) Gerade das war ja auch die Gesinnung der Gottgeweihten, der Magd und Dienerin schlechthin, dessen Geburtstag wir heute feiern: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Ihren Schutz möchte ich die eigene Berufung weiter anvertrauen, in besonderer Weise auch die meiner Mitbrüder, die jetzt am Samstag in unserem Noviziat in Alzgern ihre ersten zeitlichen Gelübde ablegen werden (diese Feier wäre übrigens ein Ausflug wert:)). Besonders möchte ich die Muttergottes aber darum bitten, dass sie für uns den himmlischen Vater anfleht, dass er uns Berufene schickt, die wie sie selbst bereit sind, alles auf eine Karte zu setzen, die bereit sind Gott kein Jein sondern ihr volles und bedingungsloses Ja zu schenken, Propheten, die in dieser Welt mit ihrem Leben und ihren Wortehinausrufen: Gott existiert, ich bin ihm begegnet!

 

Gott ruft. Auch heute. Bist du bereit zu hören?

 

(c) Bildrechte privat

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