Tragende Prinzipien des Zentrums Johannes Paul II.

Da ich öfters gefragt werde, was das Zentrum Johannes Paul II. ist, versuche ich einmal aus der Perspektive der Prinzipien, die das Geschehen im Zentrum tragen, eine Antwort zu finden. Die Prinzipien haben eine dreifache Quelle: Die Bibel, das kirchliche Selbstverständnis von dem, was Kirche ausmachen sollte und das Charisma der Legionäre Christi und des Regnum Christi. Um das Ganze etwas übersichtlicher zu gestalten, habe ich mich entschieden, diesen Beitrag schematisch zu gestalten.

 

1. BIBLISCH

APOSTELGESCHICHTE 2

Unser Fokus liegt nicht in erster Stelle auf Wachstum sondern auf Gesundheit. Diese besteht in der Balance von 5 Elementen:

  1. GEBET, EUCHARISTIE: „Sie hielten fest am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ – „verharrten einmütig im Tempel“: also Eucharistiefeier, Gebet, Worship, Lobpreis.
  2. GEMEINSCHAFT: „Sie hielten fest an der Gemeinschaft“, „bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam.“
  3. GLAUBENSBILDUNG: „an der Lehre der Apostel“: also Glaubensvertiefung in der Tradition und Überlieferung der Kirche
  4. DIENST: „sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem, so viel, wie er nötig hatte“: also Dienst am Nächsten, Kultur des Gebens, Großzügigkeit im Umgang mit Geld.
  5. EVANGELISATION: „ihrer Gemeinschaft wurden etwa dreitausend Menschen hinzugefügt“, „Der Herr fügte TÄGLICH ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten“

 

Das neue Gebot & der große Auftrag

DAS NEUE GEBOT: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“: Gemeinschaft mit Christus als Bedingung für die Liebe für den Nächsten, die sich in Gemeinschaft, Ministry und Evangelisation ausdrückt.

DER GROSSE AUFTRAG. „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. (Mt. 28,19-20) – im ursprünglichen Griechisch sind „geht, tauft, lehrt“ Partizipien, die das Hauptverb „macht Jünger“ ergänzen. Unsere Gemeinde versteht sich als Jüngerschaftsschule, wobei das „neue Gebot“ und der „große Auftrag“ wieder diese 5 Elemente Gebet/Sakramente, Gemeinschaft, Glaubensvertiefung, Ministry und Evangelisation kombiniert und in einer gesunden Balance hält.

 

2. Kirchlich

Die Prinzipien des Entwicklunsgsprozesses der Erzdiözese Wien:

  • GRUNDVOLLZÜGE VON KIRCHE: Die Gewährleistung der „Grundvollzüge von Kirche: Liturgie, Diakonie (Dienst), Verkündigung und Gemeinschaft“ – PGO2.1./3
  • Pfarre als „Gemeinschaft von Gemeinden“ – ibid.
  • CHARISMA ZENTRIERTES WIRKEN: Charisma zentriertes Wirken, Koordination mit der Pfarre und die Möglichkeit, dass Gemeinden innerhalb der Pfarre „Schwerpunkte setzten. Dabei entwickeln sie aus den vorhandenen Charismen jene Dienste und Vollzüge, die sie überzeugt und mit Freude leben können. Das relative eigenständige Leben der Gemeinde ist eingebettet in das Leben der Pfarre und wird in enger Abstimmung mit ihr gestaltet.“ PGO2.1./4.1.
  • KLEINGRUPPEN: Nicht eine Gemeinde, die Kleingruppen hat, sondern Kleingruppen, die einen Gemeinde bilden: „Das Ziel sind viele überschaubare Gemeinschaften, Hauskreise und Gruppen, in denen Getaufte miteinander das Wort Gottes teilen und sich von ihm konkret in Dienst nehmen lassen, über ihre Erfahrungen in der Jüngerschaft austauschen, einander dabei bestärken, Christus im Alltag zu bezeugen, und auch gemeinsam missionarisch tätig werden. In diesen apostolischen Tätigkeiten werden die Glieder des Volkes Gottes selbständig aktiv; in diesem Bereich üben ehrenamtlich tätige Laien in den Gemeinden Leitungsverantwortung aus. Die Gemeinden einer Pfarre sind Knotenpunkte und Koordinationszentren für die kleinen christlichen Gemeinschaften.
  • MISSIONARISCHER AUFBRUCH: „In diesem missionarischen Aufbruch liegt das grundlegende und einigende Prinzip der in neuen Pfarrstrukturen zusammenfindenden Gemeinden – und zugleich die Garantie für ihre bleibende Lebendigkeit.“

3. Charismatisch

Treue zum Charisma (Legionäre Christi, Regnum Christi, die die Trägerorganisation des Zentrums sind)

SGBAB: 5 Säulen des RC: Spiritualität, Gemeinschaft, Bildung, Apostolat, Begleitung: ist Zeichen für die Gesundheit einer im Sinne des Charismas geleiteten Wirklichkeit (Apostolat, Team, Institution…) des Regnum Christi (siehe Apg 2):

S: Spiritualität: Christuszentriert. Christus als Herr&König und zugleich Christus als Freund. Er ist Herr, er ist Löwe, nicht nur Lamm. Er ist die Nr. 1 in unserem Leben. Zugleich ist er aber bester Freund und Weggefährte. Er ist „Kriterium, Modell und Zentrum unseres ganzen Lebens. Wir wollen lernen ihn immer mehr zu kennen, zu lieben und zu erfahren, vor allem im Evangelium, in der Eucharistie und im Kreuz. Wir wollen ihn vor allem in seiner Hingabe am Nächsten nachahmen.“ (Konstitutionen der Legionäre Christi, 8) Wir lieben was er liebt – unsere 5 Lieben: die Kirche, der Papst, Maria, die Menschen, die eigene Berufung. Eine gewisse Schlichtheit und Einfachheit: der Tabernakel im Zentrum der Kapelle, die Eucharistie im Zentrum des Lebens. KONTEMPLATIV und leidenschaftlich evangelisierend: Wir können nur das geben, was wir empfangen. Deswegen muss alles Apostolat aus der Beziehung zu Gott und aus dem Gebet herauskommen. Wie schon in „Herr und Freund“ sieht man auch hier einen korrelativen Wert. Beide Werte ergänzen sich, zerstöre den einen, hast du auch den anderen nicht mehr.

G: Gemeinschaft. Es geht um einen Geist der Einheit und Nächstenliebe, der Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Nächstenliebe als Kernbotschaft des Evangeliums. Den Menschen das Antlitz eines liebenden Gottes in der Gemeinschaft bezeugen. „Sie werden sie an ihrer Liebe erkennen“. Teamleben (Kleingruppen): Die Teams (Kleingruppen) sind die kleinste Zellen im Gewebe des RC, konkreter Ort wo man praktisch Mitverantwortung und Solidarität in der Kirche übernimmt, sich gemeinsam im Glauben stärkt, vertieft und weiterbildet, sich gegenseitig auf dem Weg der Heiligkeit inspiriert, sich in einer missionarischen und apostolischen Aufgabe einbringt (HRC 345-346). „Das Christentum entstand in der Welt in der Form kleiner Gemeinschaften, die beteten, die Nächstenliebe lebten und apostolischer Sauerteig waren“ (Handbuch des Regnum Christi, HRC, 343). „Das Teamleben ist mehr als eine bloße Arbeitsweise Es wurzelt im Wesen des Christentums als Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“ (HRC 344)

B: Bildung und Glaubensvertiefung: „We are a thinking religion“ – das Wort, der Logos, der Sinn ist Fleisch geworden. Fides et Ratio: Glaube und Vernunft sind gemäß Johannes Paul II. die beiden Flügel des Flugzeugs des Christen. Diese Bildung soll aber nicht nur intellektuell sondern ganzheitlich sein: spirituell, menschlich, intellektuell, geistlich, apostolisch, theoretisch und praktisch. We are a formation driven organization. Wir wollen uns auf unsere Mission als Christen in der Welt so gut wie möglich vorbereiten, um glaubwürdige Zeugen des Evangeliums sein zu können.

A: Apostolat: es geht um den Dienst an den Nächsten in allen Bereichen. „Die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5,14), man will sich hineinziehen lassen in seine Leidenschaft für die Welt. Vor allem heißt das: Menschen auf einen Weg der Jüngerschaft einzuladen, sie darin zu begleiten und sie selbst als Apostel auszusenden. Evangelisation: Es geht nicht um ein Wachstum in Zahlen, sondern um jeden einzelnen Menschen und ein Bewusstsein, dass jeder Mensch einen unendlichen Wert hat und es daher nicht gleichgültig ist, ob jemand Jesus begegnet und einen Weg mit ihm geht oder nicht. „Die evangelisierende Gemeinde achtet immer auf die Früchte, denn der Herr will, dass sie fruchtbar ist.“ (Papst Franziskus, EG, 24) Ökonomie. Es geht um das Thema der Großzügigkeit, gerade auch mit den eigenen Finanzen als geistlichen Wert und ein wichtiger Schritt in der Jüngerschaft. Statt ständig um Geld zu bitten wollen wir eher fragen: Was sagt Jesus zum Thema Geld, wie kann ich es als Talent zum Dienst am Nächsten einsetzen? Das verlangt Reife, Freiheit, Verantwortung und Ownership.

B: Begleitung: Wir wollen Menschen helfen, sich auf einen Prozess der ständigen Umgestaltung in Christus einzulassen und sie dabei zu unterstützen. Es geht dabei nicht um einen Massenbetrieb, sondern um jeden einzelnen Menschen. „Menschen, nicht Programme…Prozesse, nicht Programme“. „So haben die Evangelisierenden den „Geruch der Schafe“, und diese hören auf ihre Stimme. Die evangelisierende Gemeinde stellt sich also darauf ein, zu „begleiten“. Sie begleitet die Menschheit in all ihren Vorgängen, so hart und langwierig sie auch sein mögen. Sie kennt das lange Warten und die apostolische Ausdauer. Die Evangelisierung hat viel Geduld und vermeidet, die Grenzen nicht zu berücksichtigen.“ (Papst Franziskus, EG, 24)

 

WOVON WIR TRÄUMEN: Immer Menschen lassen sich auf einen Weg der Jüngerschaft ein, leben in einer lebendigen Beziehung zu Christus und untereinander, bilden Gemeinschaft, werden selbst zu missionarische Jüngern, verändern die Welt.

 

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